Mythen und Sagen, Schamanismus und Animismus haben von jeher eine
ungeheure Faszination auf mich ausgeübt, waren und sind für mich
ein unerschöpfliches Reservoir an uraltem Wissen um die tiefsten
Zusammenhänge zwischen Werden und Vergehen, zwischen Mensch und
Kosmos.
Bildgewordenes Wissen, Urbilder, sind nach C.G. Jung Inhalte des
kollektiven Unbewußten und in allen Kulturen gleich.
Diese "Archetypen" manifestieren sich in Mythologien, in Sagen und
in religiösen Überlieferungen. Für Jung bedeutet die Erschliessung
dieser Möglichkeiten die Erweiterung der eigenen Psyche, hilft, die
Einsamkeit des Individuums aufzuheben und es einzugliedern in den
Ablauf des ewigen Geschehens von Sonnenuntergang und Wiedergeburt.
Dafür stehen die Schöpfungsmythen in zahlreichen Kulturkreisen, Opfer
und Verrat in Sagen und Märchen, das Aufzeigen elementaren menschlichen
Handelns durch die Dichter.
Schlange und Magier stehen dafür, die Götter und Helden der Mythologien
unterschiedlichster Kulturen und vieles mehr.
Die Mythologie der Griechen steht mir dabei besonders nahe, weil ich
mehrfach jährlich einige Wochen dort verbringe um zu arbeiten.
Um Nietzsche zu zitieren:
"Wenn wir von den Griechen reden, reden wir unwillkürlich zugleich von
gestern und heute. Ihre altbekannte Geschichte ist ein blanker Spiegel,
der immer etwas widerspiegelt, wiederstrahlt, das nicht im Spiegel
selbst ist. Sie erleichtern dem modernen Menschen das Mitteilen von
mancherlei schwer Mitteilbarem und Bedenklichem".
Im Lauf der Jahre entstanden verschiedene Zyklen über antike
Protagonisten, wie Ikaros und Daidalos, Medea, Odysseus und Penelope,
Achill u.a., antike Helden, wobei der Terminus "Helden" in landläufigen
Sinne bei mir zur Disposition steht.
Ich stelle Fragen an die Geschichte, an Vergangenheit und Gegenwart und
setze sie in Malerei, Collagen und Objekte um.
Ein wichtiger Teil meiner Arbeit sind mir dabei die verwendeten
Materialien. Oft sind es Fundstücke, vor asllem aber Dinge ursprünglicher
Art, die einen hohen Symbol-Charakter haben, wie Gaze, Filz,
handgesponnene Wolle etc.
Mythen und Sagen waren Höhlen meiner Kindheit.
Mythen, Sagen, Naturreligionen, vielfältig ineinander verwoben, sind auch
heute für mich Gehäuse, subjektive Empfindungen bildhaft zum Ausdruck zu
bringen.
Mythische Ideen werden dabei zu Symbolträgern für ureigene und
bedrängende Probleme, für Träume, für das Leben.
Rose-Marie Altrogge, April 2008